Könnten Sie uns bitte einen Überblick über die häufigsten Ursachen für einen diabetischen Fuß geben?
Die häufigste Ursache für einen diabetischen Fuß ist bei Diabetikern meistens eine Fehlstellung wegen Übergewicht, dies führt zu erheblichen Problemen bei der Fußstatik. Als Konsequenz entwickelt sich dann oft auch die Polyneuropathie (PNP), eine Empfindungsstörung an den unteren Extremitäten.
Wie beeinflusst Diabetes die Gesundheit der Füße?
Mit Diabetes verändert sich die Haut des Fußes und das Hautbild verschlechtert sich. Durch Folgekrankheit, die Polyneuropathie, kommt es zu Empfindungsstörungen was am schwierigsten ist.
Diagnostik und Prävention
Welche Symptome deuten auf einen diabetischen Fuß hin, und wie erkennen Sie diese in der Praxis?
In der Praxis erkennen wir den diabetischen Fuß meistens an der schweinchenrosa Hautfärbung sowie an einem glänzenden Hautbild und der sehr dünnen Haut. Ein weiteres Erkennungsmerkmal ist, dass der Patient zu enge Schuhe trägt und dies nicht spüren kann. Zudem liegen manchmal bei Diabetikern mit PNP Gegenstände in den Schuhen oder unter den Decksohlen der Schuhe, die jeder Nichtdiabetiker eigentlich spüren würde. Solche Dinge tragen Menschen mit Diabetes tagelang in Ihren Schuhen, bis Sie es entdecken ist es manchmal zu spät und es kommt zu einer Wunde.
Welche präventiven Maßnahmen empfehlen Sie Patienten mit Diabetes, um Fußprobleme zu vermeiden?
Wir empfehlen Diabetikern meistens Diabetikersocken zu tragen bzw. helle Socken zu tragen, damit man Flüssigkeits- und Blutaustritt aus Wunden schnellstmöglich erkennt. Wir empfehlen aber auch Schuhe in Begleitung von Fachpersonal zu kaufen. Wir machen zudem eine Sensibilitätstestung mit dem Mikrofilament: warm, kalt, kitzeln aber auch Vibrationstests.
Behandlung und Versorgung
Welche Rolle spielen orthopädische Hilfsmittel, wie z.B. spezielle Schuhe oder Einlagen, in der Behandlung von diabetischen Füßen?
Diabetische Hilfsmittel spielen eine sehr wichtige und wesentliche Rolle. Natürlich empfehlen wir spezielle Schuhe, wie semiorthopädische Schuhe und diabetesgerechte Einlagen. Wenn es gar nicht mehr geht und es die Fußstatik nicht mehr zulässt, orthopädische-diabetische Schuhe. Es gibt aber auch die Möglichkeit diabetische Arbeitsschutzschuhe zu produzieren.
Vorfußamputation
Wann ist eine Vorfußamputation in der Regel notwendig, und welche Faktoren beeinflussen diese Entscheidung?
Die Chirurgen sind angewiesen so viel Gliedmaßen wie möglich zu erhalten bzw. versuchen sie so viel wie möglich an dem geschädigten Material wie Bakterienteilen zu entnehmen. Man versucht auch Hebelverhältnisse und Krafteinflüsse des Patienten so gut wie möglich zu erhalten.
Abhängig von einer Amputation oder Exartikulation* bei einem Patienten ist auch die Blutgerinnung. Die Frage ist, wie gut wird sich die Wunde erholen bei einem Diabetiker? Das ist zum Teil sehr belastend für den Patienten.
Eine Vorfußamputation ist dann auch notwendig, wenn zum Beispiel die Kunden nicht mehr in konfektionierte Schuhe hinein passen und sich da nicht mehr reinquälen können und wollen und sie keine orthopädischen Schuhe haben möchten.
Wenn sich die bakterielle, entzündete Stelle auf den ganzen Körper auswirkt entscheidet meistens die Chirurgie eine Amputation durchzuführen.
*Unter einer Exartikulation versteht man die Amputation einer Gliedmaße im Gelenk. Dabei werden alle Weichteile durchtrennt, der Knochen des Amputationsstumpfes bleibt jedoch unverletzt.
Wie bereiten Sie Patienten auf eine bevorstehende Amputation vor, sowohl physisch als auch psychisch?
Wir selbst bereiten die Patienten gar nicht auf bevorstehende Amputation vor. Wir bitten den Patienten sich an ihren Chirurgen oder ihren Diabetologen dazu zu wenden. Wir weisen darauf hin, wir nehmen an und geben Rat, eine Diagnose machen wir auf keinen Fall, so etwas erlauben wir uns nicht.
Nachsorge und Langfristige Betreuung
Wie wichtig ist die regelmäßige Nachsorge für Patienten mit diabetischen Fußproblemen oder nach einer Amputation?
Die Nachsorge von einem Patienten mit diabetischen Fußproblemen ist sehr wichtig auch nach einer Amputation. Auf jeden Fall sollte man immer den Podologen und den Diabetologen im 4 - 5 Wochen Rhythmus aufsuchen. Es ist sehr wichtig regelmäßig die Sprechstunden zu besuchen. Wir sagen den Kunden auch, sie dürfen sich auch regelmäßig bei uns blicken lassen, dies kostet uns nicht viel Zeit. Natürlich sollten sich Kunden auch Spiegel anschaffen, die Sie auf den Boden legen können um sich die Füße von unten anzusehen.
Welche Tipps geben Sie Patienten, um ihre Fußgesundheit langfristig zu erhalten?
Wichtige Tipps sind das Eincremen des Fußes, kein Barfußlaufen mehr und mindestens zweimal im Jahr ist ein Besuch bei uns zu empfehlen.
Wir sagen unseren Kunden immer, sie sollen sich Diabetikerstrümpfe besorgen und in Sanitätshäuser gehen wo man diese kaufen kann. Wir den Diabetikerkunden darauf hin, dass es bei der Kompressionsversorgung auch Strümpfe gibt, die man dreidimensional herstellen kann – flachgestrickte Kompressionsstrümpfe mit örtlichen Abpolsterungen um den Fuß herum oder auch den Unterschenkel.
Wie alt sind Ihre Patienten in der Regel, sind es mehr Männer oder Frauen, auch Jugendliche?
Unsere Kunden sind in der Regel über 60 Jahre alt. Ich würde sagen, die Aufteilung ist 50:50 - Männer wie Frauen und Jugendliche kaum.
Hat die Versorgung des diabetischen Fußes in den letzten Jahren zugenommen?
Die Versorgung mit Diabetikerhilfsmitteln ist ganz groß im Kommen. Früher waren es die Kriegs- amputierten die versorgt wurden mit Stumpfversorgungen und anderen Vorfußersatzstücken. Es sind fast nur noch Diabetiker, es sind keine Kriegsverletzungen mehr oder Personen mit Erfrierungen.
Was ist die besondere Herausforderung für den Orthopädietechniker?
Die besondere Herausforderung für den Orthopädieschuhmacher ist es natürlich eine Partnerschaft mit den Patienten auf Augenhöhe zu finden und dass man das Ganze gemeinsam durchgeht. Nur auf den Umsatz zu achten und Hilfsmittel zu verkaufen ist nicht erwünscht. Besondere Herausforderung ist auch den Kunden vom Hilfsmittel zu überzeugen und sich Hilfe zu holen sowie Kontrolltermine einzuhalten.
Wichtig ist auch, dass der Kunde die Form und manchmal auch das Gewicht des Schuhes akzeptieren kann, weil die Modelle meistens der Konfektion nicht mehr so arg ähneln. Aber wenn es soweit ist, dass man Hilfe braucht, dann ist es mit Konfektion wirklich aus, dann spielt wirklich die Funktion des Hilfsmittels eine wichtige Rolle.
Danke für das Interview!
Kontakt:
Orthopädie - Schuhtechnik Gebhardt
Pfinztalstr.6
76227 Karlsruhe (Durlach)
www.podovelo.de